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Liebe

Du hast einen schönen Beruf,
sagt das Kind zum alten Brückenbauer.
Es muss schwer sein, Brücken zu bauen.
Wenn man es gelernt hat ist es leicht,
Brücken aus Beton und Stal zu bauen.
Die anderen brücken sind viel schwieriger.
Die baue ich in meinen Träumen.
Welche anderen Brücken?
fragt das Kind nachdenklich an.
Er wusste nicht, ob es verstehen würde.
Dann sagt er: Ich möchte eine brücke bauen:
Von der Gegenwart in die Zukunft
Von einem zum anderen Menschen
Von der Dunkelheit in das Licht
Von der Traurigkeit zur Freude.
Ich möchte iene Brücke bauen,
von der Zeit in die Ewigkeit,
über alles Vergängliche hinweg.
Das Kind hatte aufmerksam zugehört.
Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber,
dass der alte Brückenbauer traurig war.
Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte,
sagte es: Ich schenk dir meine Brücke.
Und das Kind malte für den Brückenbauer
einen bunten Regenbogen
.
4.8.07 16:27


Da war ein Baum. Ein Baum ohne Blätter, doch nicht dürr, sondern mit vielen Nadeln. Nicht um zu stechen, sondern um sich vor saurem Regen und sengender Sonne zu schützen. Ein großer Baum, der Sommer, wie Winter eine unerschütterliche Ruhe ausstrahlte. Tief verwurzelt in der Erde und hoch aufstrebend in den Himmel.

Da war noch ein Baum. Völlig anders. Schon die Rinde war spielerisch schwar-weiß gefleckt. Und er trug Blätter, die in ständiger Bewegung mit den Sonnenstrahlen spielten. Doch kaum war der kurze Sommer vorbei, färbten sich die Blätter gelb und braun. Und noch vor dem ersten Frost segelten sie davon, als hätte es nie eine grüne Zeit gegeben. Doch ehe die Erinnerung an den Sommer im Nebel des Gestern verschwand, sprießen schon wieder die ersten Knospen, aus denen bald wieder zartgrüne Blätter einen Weg bahnten.

Und eines Tages verdunkelte sich der Himmel und es gab einen schweren Sturm. Mit lautem Tosen fegte er durch den Wald, entwurzelte Bäume und Sträucher. Nach tagelangem Wüten verschwand er so plötzlich, als wäre er eine Fata Morgana gewesen. Völlig zerzaust lies er den Wald zurück. Kaum ein Baum, der nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Den meisten fehlten Äste oder wurden gar entwurzelt.

Doch in der Mitte des Waldes standen sie. Die beiden Bäume. Der mit den Nadeln und mit der schwarz-weißen Rinde. Der eine immer noch aufrecht in den Himmel schauend. Der andere immer noch mit den sich bewegenden Blättern. Allen war es ein Rätsel, wie die beiden Blätter unbeschadet den Sturm überstehen konnten.

Dieses Geschehnis ging in die Geschichte ein. Man erzählte sich allerlei Legenden über die beiden Bäume. Später, ja viel später fand man den Grund. Bei Ausgrabungen sah man, dass jeder dieser Bäume eine ganz besonders starke Wurzel gebildet hatten und diese zu dem anderen Baum hinüberstreckte. Dort wo die beiden Wurzeln sich trafen, waren sie dicht ineinander verwoben und gaben sich gegenseitig Halt und Stütze. Manche meinten es wäre eine Laune der Natur. Andere wiederum machten die Götter dafür verantwortlich. Nur die ganz Alten und Weisen im Dorf, erzählten sich, es sei einfach Liebe gewesen.
4.8.07 16:24





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